Sinecure

Sinecure Aufenthaltsstipendium 2012

Werner Fritsch

Preisträger des Sinecure Aufenthaltsstipendiums 2012

Alchemie der Utopie – Schauplatz des Aufbruchs

Er versteht sich selbst als Surrealist, wird von anderen als „Erneuerer“ oder „Sprachforscher im Untergrund“ bezeichnet: Werner Fritsch. Doch wie können sich diese scheinbar gegensätzlich anmutenden Titel in einer Person zusammenfügen?

Sein wesentliches Merkmal als Autor ist der Schreibstil, seine ganz eigene Sprache. Eine Sprache, die mit ausdrucksstarker Symbolik und einer oft innovativen Grammatik aus den herkömmlichen Mustern ausbricht, und in ihrer Mehrdeutigkeit dem Betrachter fast schon hieroglyphisch erscheint. Mit „origineller Lautlichkeit und unerschöpflicher Bildfülle“ ist sie, nach Fritsch, „erfüllt von der Utopie, dass alle Schichten unserer Gesellschaft wieder miteinander ins Gespräch kommen“. Der Autor vereint in seinen Werken jegliche Gesten zum eigenen Stil, ob nun aus geschriebener oder gesprochener Sprache, und formt daraus eine neue: die „Poesie des Volkes“ nennt er sie. Es ist eine Sprache in der Sprache, eine Metasprache gewissermaßen, und für manche sogar schon eine Fremdsprache.

Und wie auch Fritsch selbst, so spricht die literarische Bandbreite seines Werkes eine eigene Sprache: sie umfasst eine unglaubliche Vielfalt an Gattungen, Literaturtypen, Ideen und Themen; „von der Zote bis zu Mystik, vom Kalauer bis zur Lyrik“, von der Klassik bis zur Moderne, von der Legende bis zum Hörspiel. Da finden nicht nur Bezüge auf die griechische Antike neben christlichen Motiven ihren Platz, und nicht nur die Klarheit eines Naturbildes neben einer schockierenden verbalen „Hieroglyphe“: Der Autor stellt längst Vergangenes Heutigem gegenüber, schafft Vergleiche, wo vorher keine waren. Sein vielfältiges Werk umfasst neben der Prosa der Anfänge vor allem Theaterstücke, Hörspiele und Filme.

Kennzeichnend für sein Œuvre ist die Kombination aus historischer Materialität und Fiktion. Werner Fritsch wirkt wie eine Schmelztiegel für die Literatur, wirkt als „Erneuerer“, der aus der Masse der Traditionen eine neue, medienübergreifende Kunstform schmiedet. Ein Aufbruch herkömmlicher Regeln, und zugleich ein Aufbruch in ein neues Terra incognita der Literatur.

Die Vielfalt seines Werkes lässt sich nur schwer überblicken: Gattungsgrenzen – ein Wort, das sich auf sein literarisches Schaffen ebenfalls kaum anwenden lässt. Der Grenzgänger zwischen den Künsten stellt sich am 15. Juni dem Rostocker Publikum. In ungezwungener Atmosphäre erleben Sie den Autor hautnah. Im Rahmen der diesjährig zum fünften Male vergebenen Sinecure („Ohne Sorge“) Landsdorf lädt das Institut für Germanistik zur öffentlichen Poetik-Vorlesung in die Universität ein.

Schreibe einen Kommentar